Montag, 2. März 2015

Sonntag und Regenwetter. Und dafür soll ich dankbar sein?

Sonntag. Regen- und Graupelwetter. Immer wieder Regenschauer, versetzt mit Schnee. Ideales Wetter, um einen Tag kuschelig und gemütlich zu Hause zu bleiben. Gute Musik auflegen, auf der Couch sitzen und vielleicht zwischendurch etwas anregendes Lesen. Hört sich gut an, oder?


Gestern war genauso ein Sonntag. Und ich hätte Lust dazu gehabt, obiges Sonntagsprogramm anlaufen zu lassen. Doch es sollte anders kommen.

Quelle: Pixabay, Skatti

Bäh – ich will bei diesem Wetter nicht raus

Ich war für diesen Nachmittag angemeldet bei einer halbtägigen, geführten Wanderung. „Oh nein“ war mein erster Gedanke, „jetzt war es doch diese Woche immer wieder mal so schön sonnig, warum ausgerechnet heute nicht?“ 

Spüre die leise Hoffnung in mir, dass er vielleicht noch kommt, der Anruf, der die ganze Sache absagt. In diesem Moment war ich weit davon entfernt, einfach die Gegebenheiten anzunehmen, so wie sie sich bieten.

Die Zeit verging, meine Hoffnung schwand – kein Anruf kam. Offensichtlich wollte die Organisatorin die Wanderung wie geplant durchziehen. 

So ein wenig trockener wurde es draußen und die Vorhersage hörte sich einigermaßen freundlich an. Also auf geht’s, den „inneren Schweinehund“ auf leise stellen, Tee kochen, Brot schmieren, wetterfeste Kleidung raussuchen und Abmarsch.

Meditative Wanderung trotz Regen

Auf dem Programm stand eine meditative Wanderung als Einladung, mal innezuhalten, dankbar zurückzuschauen und hoffnungsvoll nach vorne zu blicken. 

Häufig macht man dieses ja beim Jahreswechsel oder an den Geburtstagen. Gestern war Frühlingsanfang. Für mich ist dies auch immer ein Datum, an dem irgendwie das Jahr in der Natur neu beginnt. Die Winterruhe neigt sich dem Ende entgegen. Aufbruchsstimmung. Ein durchaus passender Tag für dankbare Rückschau und innere Öffnung für das Neue.

9 Frauen (von ursprünglich 14 angemeldeten) haben sich tatsächlich am Startpunkt eingefunden. Mit einer kurzen Runde, wie es jeder gerade so geht, begann es und siehe da, ich war nicht alleine mit meiner leisen Hoffnung, doch nicht raus zu müssen in das nasskalte windige Wetter. Auf einmal fühlt man sich zusammengehörig und ein wenig stolz waren wir dann schon alle auf uns, dass wir trotzdem hier waren.


Annahme von dem was ist?

Nach einem einleitenden Textimpuls ging‘s los, begleitet von einem kräftigen Regenschauer und einigen Windböen. 

Gleich zu Beginn eine wunderbare Übung für mich, um aus dem Widerstand zu gehen. Wie fühlt es sich an, wenn ich jetzt innerlich „stänkere“ weil ich den Wind ungemütlich finde und mir Sonne lieber wäre wie Regen? Fühlt sich gar nicht gut an. Da ist gar keine Freude zu spüren.

Aber ich kann ja lenken, wie ich mich fühle. Habe die Macht, meine Gedanken zu stoppen. Und aus dem Widerstand rauszugehen. Raus aus dem Widerstand, rein in die Annahme.

Ja, es regnet gerade, doch ich habe mich gut eingepackt und bleibe trocken. Und ich bin froh in einem Land zu leben, in dem es häufig regnet. Wasserknappheit kennen wir nicht. Dankbarkeit, denn ohne Regen wäre dies anders. Und auch der Wind ist einfach da. Ohne ihn gäbe es die Regenwolken nicht. 

Da muss ich halt das Tuch um den Hals ein wenig enger legen, den Reißverschluss der Regenjacken bis ganz oben gut zuziehen, Mütze aufsetzen und die Kapuze auch noch drüber. Perfekt.

In die Stille kommen und dankbar zurück blicken

Die erste Wegstrecke wird munter geplaudert bis zum ersten Stopp. Dann werden wir aufgefordert, das nächste Stück schweigend weiter zu gehen und in Gedanken das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Darauf achtend, was alles war für was ich dankbar sein kann. Und auch auf die Dinge zu achten, die sich zeigen und für die ich erst gar nicht wirklich Dankbarkeit empfinden kann.

Na, das wird eine leichte Übung dachte ich, denn mit dem Thema Dankbarkeit habe ich mit schon oft beschäftigt. Kürzlich hatte ich erst einen Blogartikel dazu geschrieben.

Dennoch war ich wirklich sehr überrascht, was in mir passierte. Insgesamt empfand ich 2014 als sehr herausfordernd, weil ich mich intensiv immer wieder mit dem Thema „Loslassen“ auseinander setzen musste. 

Dennoch war es ganz schön viel, was sich unterm Gehen zeigte, für was ich von Herzen dankbar bin. Das war ein ganz eigenes Erleben. In der Gruppe schweigend gehen, den Wind im Gesicht spürend, der fast etwas reinigendes hatte, und einfach alles hochkommen lassen, was sich zeigen möchte. Spannend.

Tanzen – einfach so im Wald?

Dann gab es wieder einen Stopp. Und wir machten einen Kreistanz. Im Vorfeld war ich doch sehr skeptisch, ob ich das wirklich will, so mitten in der Natur tanzen. Wo doch jederzeit jemand vorbeikommen und mich sehen kann! 

Doch in der Gruppe, in dieser schönen Stimmung, war es gar keine Frage mehr, es war eine Selbstverständlichkeit und eine richtig schöne Erfahrung. 

Es war so ein stimmiger Abschluss des schweigenden Gehens und das Gefühl der Dankbarkeit hat sich in diesem Tanz tatsächlich für mich ausgedrückt.
Dann folgte wieder ein Wegstück im Austausch, unterbrochen von einer kurzen Pause, in der wir uns stärkten und noch einmal tanzten.

Visionen

Ja und dann bekamen wir wieder einen Impuls und es begann der nächste Abschnitt des Weges, den wir schweigend zurücklegten. 

Diesmal ging es darum, sich zu öffnen für das, was vielleicht auf uns wartet, was in uns steckt und sich entfalten möchte. Um Visionen, Hoffnungen und Vertrauen. 

Und mit jedem Schritt hatte ich das Gefühl, dass ich immer weiter, immer offener werde. Ein inneres JA war spürbar. Freude und Frieden.
Mittlerweile war es trocken geworden, der Wind hatte deutlich nachgelassen. 

Das war für mich irgendwie wie eine äußere Choreographie. Am Ende dieses Schweigestücks kam tatsächlich - ganz zögerlich – immer wieder mal die Sonne durch.

Die letzten Meter zu unserem Ziel legten wir wieder im Austausch zurück. Auch die Art, wie sich unterhalten wurde, war total stimmig. Nicht laut, trotzdem war es ganz leicht und fröhlich. Sehr angenehm.

Das Ziel ist erreicht

Unser Ziel lag auf einem kleinen Hügel, mit einem schönen Blick übers Land. Wir haben uns dort oben versammelt für eine Schlussrunde und zwei abschließende Tänze. 

Gerade als wir mit der Schlussrunde beginnen wollten, kam die untergehende Sonne noch einmal zum Vorschein und tauchte alles für einen Moment in goldenes Licht. Es war so unglaublich schön.

Kannst du dir vorstellen, wie glücklich ich in diesem Moment war, dass ich losgegangen war? Was hätte ich versäumt, wenn ich auf der Couch geblieben wäre. Diese untergehende Sonne war ein richtiges Abschlussgeschenk.

In mir war eine ganz tiefe Zufriedenheit und Freude. Dankbarkeit. Es war ein rundum gelungener Nachmittag. Und so wie mir ging es interessanterweise auch den anderen Frauen. Alle fühlten sich wohl und reich beschenkt.

Ich fand die Abfolge des Wetters während unserer meditativen Wanderung unglaublich. Die Rückschau, die auch etwas Reinigendes hat, begleitet von Regen und Wind. Die Visionsphase und Öffnung mit Nachlassen des Windes und aufreißender Wolkendecke und das Beschenken mit dem goldenen Farbenspiel der Sonne als Abschluss.

Einladung zum Austausch

Hast du auch schon so Tage gehabt, an denen du am liebsten gar nicht erst losgegangen wärst und am Ende warst du richtig froh, dass du es doch getan hast? Lässt du mich daran teilhaben? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Montag, 23. Februar 2015

7 Wochen ohne. Echt krasse Idee. Fastenzeit mal ganz anders.




7 Wochen ohne. Die Fastenzeit hat begonnen. Einladung zu einem besonderen Abenteuer.



Fastenzeit – freiwilliger Verzicht


Ihren Ursprung und Verankerung hat die Fastenzeit im christlichen Glauben. Dennoch fasten heutzutage durchaus auch Menschen, die der Kirche bzw. der christlichen Lehre eher fern stehen. Sehr viele Menschen verzichten in dieser Zeit auf irgendetwas. Jeder wählt frei, auf was er/sie denn in den Wochen zwischen Aschermittwoch und Karsamstag verzichten wird. In der Regel geht es hier um den Genuss von Alkohol oder Süßigkeiten. So mancher reduziert seinen Konsum von Fleisch. 


Es wird etwas gewählt, worauf zu verzichten schwer fällt. Der Verzicht soll spürbar sein. Es geht so manchem auch darum, auszuprobieren, ob die Willensstärke ausreicht, den freiwillig gewählten Verzicht durchzuziehen.


Quelle: Pixabay

Fastenzeit – Gewohnheiten neu überdenken


Die Fastenzeit kann aber auch eine Einladung dazu sein, Gewohnheiten neu zu überdenken. Dies habe ich auf der Seite der evangelischen Kirche gefunden:


"Probehalber etwas anders zu machen – auch wenn es schwer fällt – kann die Entdeckung mit sich bringen, dass es anders besser sein könnte. Eine Weile das zu vermeiden, womit wir sonst viel Zeit verbringen und uns besonders im Wege stehen, das setzt Kräfte frei.


So kann das Fasten ein jährlicher kleiner Entwurf sein: Was wäre wenn? Was wäre, wenn ich nicht jeden Abend auf dem Sofa zu bewegten Bildern einschlafen würde? Wenn ich jeden Tag eine neue Begegnung wagen würde, wenn ich vorwärts schauen würde, statt zurück? Die Skizze eines anderen Alltags, der Blick in eine andere Richtung, eine Perspektivverschiebung."



Ich finde es einen interessanten Ansatz, diese Zeit zu nutzen, zu reflektieren. Meine Verhaltensweisen zu überdenken und vielleicht mal Neues auszuprobieren. 

Dazu pass auch der Slogan, den die Evangelische Kirche sich für dieses Jahr ausgedacht hat: „Sieben Wochen ohne Runtermachen“.



Fastenzeit – sieben Wochen ohne Runtermachen!


Sieben Wochen ohne Runtermachen. Dies ist der Slogan, den die evangelische Kirche für dieses Jahr ausgegeben hat. Das hört sich für mich herausfordernd an. Kommt harmlos daher, hat es aber ganz schön in sich. 


Zum Runtermachen gehören für mich zum Beispiel diese gedachten oder gar ausgesprochenen Sätze „bin ich blöd“ oder „ich bin doch echt ein Depp“ oder „so ist das halt, wenn man alt wird“. 


Diese Auflistung könnte ich noch beliebig verlängern. Ich höre diese oder ähnliche Sätze so oft am Tag von anderen und ertappe mich selber auch immer wieder dabei, dass ich mit mir schimpfe und unzufrieden bin. Mit mir selber bin ich da ungnädiger als mit meinen Mitmenschen.


Diese Gewohnheit, sich selber und andere runterzumachen, ist tatsächlich sehr weit verbreitet. 


Und ich vermute, es wird vielen Menschen leichter fallen, auf den Alkohol oder die Süßigkeiten zu verzichten, als auf das Runtermachen. Denn sich selber und andere runterzumachen, ist vielen Menschen schon in Fleisch und Blut übergegangen. Sie sind es von klein auf nicht anders gewohnt.




Fastenzeit – eine Chance zur Steigerung des Selbstwertgefühls.


Ich lade dich ein, dich auf dieses Experiment einzulassen. Die Gewohnheit, dich selber runterzumachen zu überdenken. Wir haben uns das über die Jahre sehr angewöhnt, so nachlässig, ja verletzend mit uns umzugehen, dass wir es in der Regel gar nicht mehr bemerken. 


Sei mal ganz aufmerksam auf deine Gedanken und deine gesprochenen Worte. 

Eine kleine Unterstützung kann diese Übung für dich sein:



Nimm dir ein kleines Säckchen und befülle es mit 20 Erbsen, Kaffeebohnen oder Muggelsteinen und ein leeres Säckchen in einer anderen Farbe. 

Diese zwei Säckchen trägst du den ganzen Tag bei dir. 

Und nun tust du jedes Mal, wenn du negativ über dich denkst oder sprichst, eine Erbse in das Säckchen, das in der Früh noch leer war. Wie lange wird es dauern, bis alle Erbsen von einem Säckchen in das andere gewandert sind?


Probiere es einfach mal aus.



Du wirst alleine dadurch, dass du deine Aufmerksamkeit darauf lenkst, viel seltener schlecht mit dir sprechen. Und du wirst merken, wie gut es tut, dich nicht runterzumachen. Freue dich auf den Tag, an dem nicht eine einzige Erbse im zweiten Säckchen landet!




Fastenzeit – neue Gewohnheiten einüben


Du hast aufgehört, dich runterzumachen. Der nächste Schritt könnte sein, positiv mit dir und von dir zu sprechen. 


Du bist schön. Und das darfst du dir auch sagen. In der Früh vorm Spiegel zum Beispiel. Wie fühlt sich das an? Nicht den Fokus auf das richten, was vielleicht nicht passt. Tränensäcke, Pickel oder was einem sonst noch so alles auffällt, was eben nicht perfekt erscheint beim Blick in den Spiegel. Schau dir in die Augen, liebevoll und voll Freude. Du wirst so mit einer ganz anderen Ausstrahlung in den Tag gehen.


Dir ist etwas Ungeschicktes passiert? Zum Beispiel hast du die Kaffeetasse umgeschüttet und der ganze Tisch schwimmt? Schimpf nicht mir dir, schelte dich nicht als ungeschickt oder tollpatschig. Ja, das ist passiert und du kümmerst dich drum, den Schaden zu beheben. Ohne Runtermachen.


Auch im Umgang mit anderen dürfen wir neue Gewohnheiten einüben. Ihnen freundlich begegnen. 7 Wochen ohne Runtermachen!


Du ärgerst dich über andere? Die in deinen Augen irgendetwas falsch gemacht haben? Wie begegnest du ihnen? Lässt du ordentlich Dampf ab und machst du sie runter? Oder gelingt es dir, ihnen mit Verständnis und Mitgefühl zu begegnen?


Ganz leicht passiert dieses Runtermachen, wenn man es mit Kindern zu tun hat. Die müssen sich oft ganz schön was anhören über ihre Ungeschicklichkeit und Dummheit. Und diese kleinen Seelen sind noch so verletzlich. Da werden richtig üble Narben geschlagen. Oft einfach nur durch unachtsame Kommentare. Eben durch Runtermachen. 


Meine Einladung an dich: ärgerst du dich in den nächsten Wochen über etwas, was Kinder tun oder sagen, atme erst einmal tief aus, bevor du darauf reagierst. Stell dir für einen Moment vor, du wärst an ihrer Stelle. Wie möchtest du jetzt angesprochen und behandelt werden?



Fastenzeit – Fazit und Einladung zum Austausch


Sehr verwandt zum Runtermachen ist auch das Jammern. Dazu habe ich vor einigen Wochen einen Blogartikel mit dem Titel „Die anderen sind alle doof …“ verfasst. Hier kannst du ihn lesen


Was wäre, wenn alle Menschen 7 Wochen darauf verzichten, sich und andere runterzumachen? Ich fände das genial. Statt Runtermachen – rauf mit dem Selbstwertgefühl. Sich selber und anderen positive Rückmeldungen geben. Das sehen, was gut ist und es auch aussprechen.


Wie geht es dir mit der Fastenzeit, auf was verzichtest du?


Hast du es schon einmal ausprobiert und was für Erfahrungen hast du mit den zwei Säckchen und den Erbsen gemacht? Schreib doch davon in den Kommentar und teile sie mit mir.